[COMMuna-Info] № 22 Wieder ein Jahr ‚rum

Liebe Unterstützer*innen, liebe am COMMuna-Wohnprojekt Interessierte,

aus verschiedenen Gründen – manchmal drängeln sich Aufgaben vor und werfen Pläne über den Haufen – hat es in diesem Jahr nicht geklappt, diesen Rundbrief zum 6. Dezember, unserem Jahrestag, zu verschicken.
Im Rundbrief №14 vom 06.12.22 schrieben wir folgendes:

Den Verein COMMuna zur solidarischen Selbstorganisation der im gleichnamigen Wohnprojekt lebenden Menschen gibt es schon länger, aber heute vor drei Jahren haben wir die Verträge unterschrieben, die die Immobilie Wassermühle Brömsenberg mit dazugehörendem Land nach dem Vorbild des sog. Mietshäuser-Syndikats „für immer“ in gemeinschaftliches Eigentum überführt und dem Immobilien-(Spekulations-)Markt entzogen haben.
Das war nur möglich dank der vielen Direktkredite von etlichen von Euch. Dafür nochmal vielen herzlichen Dank an alle Geber*innen von kleinen und großen Direktkrediten!

Jetzt gibt es die COMMuna in der Wassermühle Brömsenberg also schon 6 Jahre, und wir sind uns nach wie vor dessen bewusst und sehr dankbar dafür, dass Ihr mit Euren Darlehen es uns erst ermöglicht habt, diesen Traum zu verwirklichen!
(Zu Direktkrediten kommt weiter unten noch mehr…)

In den sechs Jahren haben wir immer wieder daran gearbeitet, „unser kleines Paradies“ technisch gut aufzustellen (2020 neue Dächer für das Hauptgebäude und die Traktorgarage genannte Lagerhalle, 2021/22 Verrohrung der ersten beiden Schornsteine, 2022 neue Fenster und Haustüren für das Wohnhaus, 2023 Baubeginn und 2024 Netzanschluss der ersten PV-Anlage (abgesehen vom „Balkonkraftwerk“), 2024 neue vollbiologische Kläranlage).
Und wir haben daran gearbeitet, den Selbstversorgungs-Gemüsegarten voranzubringen. In jedem Frühjahr haben wir aus der Nachbarschaft viele Schubkarren voll Pferdemist geholt und in den eigentlich nicht sehr fruchtbaren Sandboden eingearbeitet, und es ist immer wieder eine Freude zu erleben, was unser Garten – großenteils mit Hilfe unserer Gärtner Elu und Ben – über das Jahr so liefert: Neben Äpfeln, Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Brombeeren, Himbeeren, Stachel-, Johannis- und Erdbeeren ernten wir Kartoffeln, Tomaten, Lauch, Möhren, Erbsen und Bohnen, Kohlrabi, Rosenkohl, Grünkohl, Kürbis, Zucchini, Mais, Radieschen und Rote Bete sowie Salat, Garten- und Wildkräuter.
Und wir erweitern unser regionales politisches und soziokulturelles Engagement: Neben den alljährlichen Hiroshima-Mahnwachen am 6. August und den Rundgängen zu den Stolpersteinen in Lübtheen am 9. November hatten wir Ende September zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“ wieder viele Gäste zu den Vorträgen und Rundgängen und der Live-Jazz-Musik. Das Jahr über, ausser im Sommer jeden Monat einmal, laden wir in der näheren Umgebung ein zum „Gesprächskreis Krieg & Frieden“, um mit Interessierten über von uns vorbereitete Themen zu diskutieren. Und zwei Arbeitsgruppen des Vereins „Natur- und Umweltschutz Griese Gegend“ (NUGG), in dem wir uns engagieren, treffen sich regelmäßig bei uns. Das passiert bisher in unserem Wohnzimmer, aber demnächst finden solche Veranstaltungen dann auf dem „Kornboden“ statt. Der soll genau dafür eingerichtet werden, aber auch zum Musik hören und Filme präsentieren…

Und jetzt zum obligatorischen Teil dieses Rundbriefs zum

Stand der Dinge zu den Dauer- und neuen Themen:

  • Unser B-Plan ist endlich fertig und Mitte November bei der Stadt eingereicht worden. Nachdem er zuvor durch zwei Ausschüsse ging, wurde er am 18. Dezember von der Stadtvertretungsversammlung beschlossen. (Juhu! Endlich)) Soviel wir wissen über den Fortgang des Verfahrens, macht er jetzt noch eine schnelle Runde zu den beteiligten Behörden, damit die prüfen können, ob ihre in der ersten Beteiligungsrunde geäusserten Anregungen, Wünsche oder Auflagen berücksichtigt wurden. Wenn da keine Einwände kommen, wird er rechtskräftig. Zur Erklärung: Unser Grundstück liegt im sog. Aussenbereich, sodass es keine Rechtsgrundlage für Baugenehmigungen gibt. Die sind aber notwendig, nicht nur zum neu bauen, sondern auch für Nutzungsänderungen von Gebäuden. Ein Bebauungsplan schafft diese Rechtsgrundlage. Wir wussten das, bevor wir die Mühle kauften.
  • Das Projekt „Kornboden“ ist begonnen, ruht aber gerade wieder wegen anderer Aufgaben, die sich vorgedrängelt haben (siehe oben😕). Zur Erinnerung: Wir wollen den 120 m² großen Raum im Obergeschoss des Wohnhauses besser nutzbar machen für das, was wir auch sein wollen, nämlich ein Begegnungsort für Soziale Bewegungen und Anbieter von Infrastruktur für lokale Gruppen, und dazu den maroden Fußboden des Dachbodens darüber sanieren. Jetzt ist ein Teil des maroden alten Dielenbodens abgerissen und die ersten neuen Dielen sind schon verlegt. Im Januar geht es weiter…
  • Ein weiteres Dauerthema ist (oder besser „war“ erstmal) das Mehr werden. Wir waren im Sommer beim „Kommune-Kennenlern-Camp“ „Los geht’s“ des Netzwerks der politischen Kommunen (Kommuja). Dort ging es darum, „Menschen, die sich für ein Leben in Kommune interessieren und Menschen, die in Kommune leben, miteinander in Kontakt zu bringen, Kommunen wachsen zu lassen und Neugründungen zu unterstützen.“ Wir haben dort tatsächlich auch Interessierte getroffen, die uns eigentlich mal besuchen kommen wollten, aber bisher ist das nicht passiert. Dafür melden sich immer mal wieder Interessierte auf unsere Annonce im Wohnprojekte-Portal, und im Laufe des Jahres waren auch etliche Interessierte zu ersten Kennenlern-Treffen zu Besuch und zwei von ihnen auch schon zum ersten Probewohnen. Anscheinend waren aber die Vorstellungen und Bedürfnisse jeweils nicht in Einklang zu bringen (zum Teil waren das bauliche Gegebenheiten, zum Teil persönliche Lebensumstände, die Schwierigkeiten gemacht haben), sodass sich nichts dauerhaftes ergeben hat. Und dann kamen Luka und Jeremy, beide Mitte zwanzig, und wir waren uns schnell einig, dass die beiden hier einziehen. Zwar verbringen sie jetzt den Winter erstmal in Südeuropa in ihrem Wohnmobil und arbeiten bzw. studieren dort online, aber zum Frühjahr kommen sie zurück und wollen Teil der COMMuna sein, die damit dann (mal wieder nach dem Jahr mit Daniel und Annika und ihren Zwillingen) ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt ist. 😉 Allerdings werden unsere freien Zimmer damit auch weniger, und bevor wir das Mehr werden wieder forcieren, wollen wir zu Beginn des neuen Jahres endlich mal ernsthaft ein Konzept für die Sanierung der bisher noch nicht sanierten Räume im Wohnhaus (das sind eigentlich alle bis auf drei) erarbeiten. Dabei geht es vor allem um die Wärmedämmung der Aussenwände, die Art der Zentralheizung (neben den vorhandenen Kachel- und Kaminöfen), die Erreichung von Barrierefreiheit im Erdgeschoss und um die Möglichkeiten der Umgestaltung der Grundrisse in EG und OG. Ideen haben wir viele und auch Tatendrang, aber bevor wir anfangen, einzelne Räume zu sanieren, wollen wir Klarheit darüber, ob einzelne Innenwände verändert werden sollen und welche Art von Heizung wir haben wollen und entsprechend wo welche Rohre installiert werden sollen. (Das ist schlau, oder? 😎)
  • Das hat auch mit Mehr werden zu tun: Nachdem im Herbst letzten Jahres unsere mitgebrachte „Mieze“ gestorben war, war schnell klar, dass wir zum Frühjahr wieder eine oder vielleicht auch zwei Katzen haben wollten. Wir mussten auch nicht lange suchen. Mitte Juli bekamen wir vom Brömsenberger Bauernhof ein Katzen-Geschwisterpaar, was sich gut eingelebt hat und uns viel Freude macht und auch schnell anfing, Mäuse zu fangen. Damit wohnen jetzt in der Wassermühle Brömsenberg nicht mehr nur Zugereiste, sondern auch wieder eingeborene Brömsenberger*innen. 😉

Zum Schluss noch das oben angekündigte „mehr zu Direktkrediten“: Wir haben mit von der Bank und von vielen von Euch geliehenem Geld die Immobilie gekauft und die oben genannten Investitionen getätigt, teilweise gab es auch Zuschüsse. Jetzt mit Fertigstellung des B-Plans kommen nochmal Ausgaben auf uns zu, zusätzlich zu den fast zehntausend Euro, die wir bisher schon für Gutachten und das erste Planungsbüro (von dem wir uns dann getrennt hatten) gezahlt haben, nämlich eine Rechnung vom jetzigen Planungsbüro über rund zwanzigtausend Euro. Dazu kommen dann noch die Kosten für den Ausgleich der Bodenversiegelung (dazu beteiligen wir uns mit dem Kauf von Ökopunkten an einem Aufforstungsprojekt in der Nähe), die in unserem B-Plan vorgesehen ist, in Höhe von rund achttausend Euro, die bei Eintritt der Rechtskraft des B-Plans fällig werden. Mit alldem wird das „Polster“ auf dem Girokonto der GmbH stark schrumpfen. Zwar wird sich demnächst die (Miet-) Einnahmensituation verbessern, aber wirklichen Handlungsspielraum wird uns das so schnell nicht verschaffen. Weil wir einerseits weitere Projekte vorhaben, die Geld kosten, wie z.B. eine zweite PV-Anlage oder die Verrohrung der restlichen Schornsteine, und andererseits demnächst weitere Direktkredite fällig zur Rückzahlung werden (knapp Zwanzigtausend haben wir schon zurück gezahlt, bis Ende 2027 werden weitere Fünfzehntausend fällig.), möchten wir hier nochmal die Bitte und das Angebot, uns Geld zu leihen, kundtun: Die Bitte ist, uns möglichst langfristig Geld zu leihen, und das Angebot ist die Geldanlage in ein sinnvolles, gemeinnütziges Projekt 🙂 mit Zinsen zwischen 0 und 1,5 %. Mehr Informationen dazu gibt es in unserem Direktkredite-Infoblatt. (Das stammt von 2019 und wurde noch nicht aktualisiert. Aber ausser, dass wir das Geld jetzt nicht mehr für den Kauf der Immobilie brauchen, stimmt noch alles…) Und bevor bei einigen jetzt Sorgen entstehen: Wir sind finanziell nicht „in Not“! Für die laufenden Kosten reichen die Einnahmen gut. Aber wir möchten einige der genannten Projekte gerne angehen, bevor wir das dafür nötige Geld selbst angespart haben.

Und zu guter Letzt wieder für die neuen auf dieser Liste ein Wort zu „wir“ und „Ihr“:

„Wir“ sind in diesem Text die, die vor Ort leben und mitarbeiten, und „Ihr“ seid die in diesem Text angesprochenen, aber „wir“ sehen die Mühle als unser aller gemeinsames Projekt an.
Insofern seid „Ihr“ auch „Wir“. 😉
Und ein Satz noch zu Spenden: Das Konto IBAN: DE80 4306 0967 1029 8218 00 BIC: GENODEM1GLS ist das der Wassermühle Brömsenberg gemeinnützige GmbH.
Wir können also steuermindernde Spendenbescheinigungen ausstellen.

Wir wünschen allen einen guten Start ins neue Jahr!

Liebe Grüße    carsten für die COMMuna

PS: Wir werden im neuen Jahr auch wieder Arbeits- und Kennenlernwochenenden haben. Die Termine wollen wir in gut einer Woche festlegen und dann hier mitteilen.